Viola und Chris unter Kiwis

8 Monate Work & Travel in Neuseeland

16Mai
2013

Hoppe, hoppe Reiter!

Church of the good shepherdLukas und der Pferdemann stülpen das Metallding über das Stroh Stolz vor seinem Auto Wie bei Bibi und Tina Chris auf Woody Lukas auf Debbie Viola auf Bernie Pferdebande

Zeit ist wertvoll, darum schöpften wir sie vollends aus. Um 6:20Uhr stand Chris auf, eigentlich um aufs Klo zu gehen, blieb dann aber direkt wach, packte die Back- und Computersachen zusammen und machte sich mit einem schwarzen Tee an das große Fotoaussortieren. Es hatten sich nämlich schon wieder um die 1000 Fotos seit dem 2. Mai in Wanaka angesammelt. Um 7:00Uhr weckte sie wie vereinbart Viola und es konnte mit dem Anzac- und Brotbacken losgehen. Während alles im Ofen war, kamen wir zurück zu den Fotos, hörten dabei nach längerer Zeit wieder Klassische Musik, bis Viola dann eine große Portion Haferflocken-Porridge zum Frühstück vorbereitete. Gegen 9:30Uhr weckten wir Lukas, der noch im Auto geschlafen hatte. Wir verbrachten noch eine Weile mit Evi und Clara in der Lounge, bevor wir uns verabschiedeten und zur Church of the good shepherd  fuhren, dem Wahrzeichen von Lake Tekapo. Es handelt sich um eine Kirche, die zu Ehren der Schäfer gebaut wurde, die sich quasi biblisch verhalten, indem sie auf die Schafe Acht geben. Vom Innenraum kann man durch ein großes Fenster nach draußen auf den See und die umliegenden Berge schauen. Echt malerisch!

Nach diesem kleinen Kulturerlebnis, fuhren wir los Richtung Christchurch. Wir ließen Fairlie und Geraldine zurück und steuerten Peel Forest an. Dieses kleine Fleckchen Erde im Hinterland? Oh ja, denn wir erfüllten uns heute spontan einen Kindheitstraum. Lange schon hatten wir es auf unserer fiktiven To-do-Liste: Horse trekking. Und genau dafür fuhren wir in den Wald. Wir waren schon fast beim Gutshaus angekommen, da kam uns der Besitzer in seinem silbernen Hilux entgegen. „Do you want to go for a ride“, fragte er uns. Äh ja, jetzt sofort? „Steigt ein, wir gehen die Pferde füttern und schauen mal, ob wir ein paar für euch finden.“, sprach’s und keine Minute später saßen wir in seinem Geländewagen auf dem Weg zur Koppel. Unterwegs hielten wir an einem Giftshop, vor welchem ein Wagen mit einer hölzernen Lieferfläche stand. Eine Frau begrüßte uns. „Die habe ich eben gefangen und gehäutet“. Wir starrten auf ein abgezogenes, kopfloses Possum und weitere Tote. Aha! Das Fell durften wir anfassen; tatsächlich sehr weich! Sie unterhielten sich noch etwas, dann ging es weiter.

Dort angekommen schoben wir erst einmal mit geballter Kraft (wir beide wahrscheinlich eher als Deko) den Strohballen vom Anhänger, dann stülpten Lukas und der Pferdebesitzer einen Ring aus Metall darüber, damit die Pferde das Stroh nur als Futter nutzen und nicht darauf rumtrampeln oder auf der Weide verteilen.  Als dann auch der Zaun fertig um das Futter versetzt war, ging es zurück zum Hof. Lukas durfte uns im Auto fahren, der Pferdemann ritt derweil die vier Pferde, die neben dem einen Schaf auf der Koppel gestanden hatten dorthin. Die Pferde wurden nebeneinander in so eine Art Boxen gestellt, gestriegelt, wir hievten Sattel, Satteldecken und Zaumzeug aus dem Schuppen herbei und legten es den Pferde an. Die Einzige, die einigermaßen darüber Bescheid wusste, war Viola, da sie früher schon geritten ist. Nun denn, die Pferde waren gesattelt. Dann holten wir uns Reiterhelme. „Now I’ll show you how to control your horse“, es ging an die Einweisung. Was musste man tun, um es zum Loslaufen zu bringen, wie bestimmt man die Richtung, wo halt man sich fest, wie halt man die Zügel, wie wird der Fuß im Steigbügel positioniert, was tun zum Stoppen und so weiter… Nun waren wir an der Reihe. <Schluck>. Das waren keine Kätzchen… Die ersten Momente auf den Pferderücken fielen unterschiedlich aus: Lukas fühlte sich „groß“, Viola recht wohl, Chris etwas panisch. Aber mit der Zeit hatte man den Bogen raus und war der Herr über sein Equus. Dann ging es auch schon los – auf Debbie, Bernie und Woody in die Wildnis.

Erst ging es langsam einen Weg hinunter, dann über Wiese auf eine Lichtung. Die Kamera hatte unser Experte an sich genommen und schoss hier und da einige Fotos. An dieser Stelle trabten wir auch das erste Mal. Gut festhalten! Dann durch Wald. „Lead your horses around the trees!“, durch Matsch, tiefe und große Wasserpfützen, steinige Landschaft, durch eine Pferdeherde hindurch, durch meterhohes kahles Buschwerk, am Fluss entlang und schließlich wieder in den Wald. Immer wieder trabten wir ein Stück, wo man anfangs noch durchgeschüttelt wurde, sich dann aber mehr und mehr dem Bewegungsrhythmus des Pferdes anpasste. Als wir schon fast auf der Lichtung waren, ertönte plötzlich ein lautes Getrampel hinter uns: Die Herde hatte uns eingeholt. Unsere Pferde drehten daraufhin etwas durch und brachen aus, doch glücklicherweise konnten wir sie mit der Hilfe unseres Anführers unter Kontrolle bringen. Wir wurden gelobt, dass wir nicht wie Mädchen rumgekreischt hatten, sondern ruhig geblieben waren. <Stolz>. Das letzte Stück war dann auch nichts für Weicheier. Im Galopp sprinteten die Pferde den Hang hinauf. Also ehrlich, wenn man sich nicht ordentlich festgehalten hätte und runtergefallen wäre – nicht schön! Wir aber managten auch dies, Viola fand es sogar angenehmer als den Trab und ober angekommen machten wir erst noch ein Fotoshoot, bevor es ans Absatteln ging. Es war mittlerweile dunkel geworden, als Lukas mit dem Farmer noch einen Traktor- und Quadausflug machte, wir haben uns dabei nur ein bisschen ausgeschlossen gefühlt. Aber natürlich haben wir uns sehr für ihn gefreut, da wir wissen, wie sehr er dies alles liebt.

Nachdem wir bezahlt hatten, beschrieb der man uns noch den Weg zu einem kostenlosen Campingplatz und zeigte uns einen coolen Trick. Sein Jack Russel Digger kann nämlich das Pferd Charly reiten. Sah sehr süß aus!

Wir bedankten uns für diese „great experience“, es hatte uns dreien wirklich super, super gut gefallen. Der Weg war sehr spannend und abwechslungsreich gewesen und wir hätten nicht gedacht, dass wir sogar im Galopp unterwegs sein würden. Danke, danke, danke, that was awesome!!! Danke auch nochmal an Lukas, der uns angestubst hatte, unseren Pferdetraum auch zu verwirklichen und nice übrigens, dass du mitgemacht hast.

Wir kochten abends Reis mit Pumpkin-soup.soße und Käse, dann schauten wir den Rest von „Into the wild“. Super Film, tut euch den mal an! Müde vom langen und ereignisreichen Tag, schliefen wir ein.