Viola und Chris unter Kiwis

8 Monate Work & Travel in Neuseeland

23März
2013

Trizeps, Bizeps & Co.

Da wir etwas länger als üblich wach gewesen waren, schliefen wir heute auch ein bisschen länger. Naja, so gegen zehn stand Chris auf und auch Viola folgte bald, denn wir hatten uns für um 11:00 Uhr mit Jave fürs Fitnessstudio verabredet. Er hat nämlich eine Jahreskarte und hat gesagt, dass er uns mitnehmen kann. So machten wir uns dann auch fast pünktlich zum “Stadium“ auf. In dem Fitnesscenter gibt es nicht nur das relativ große Schwimmbad mit mehreren Becken, die große Sporthalle, in der heute ein Taekwondo-Turnier stattfand, das teure Fitnessstudio mit Laufbändern und allem Pipapo, natürlich verglast und mit Blick ins Hallenbad, nein, es gab auch unsere Muckibude. Ein schnöder Raum mit Gefängnisfenstern, ganz weit weg von allen, beherbergte zahlreiche Sportgeräte, die hauptsächlich darauf aus waren, Muskeln zu erzeugen. Trizeps, Bizeps, Beine, Bauch, Rücken, Schultern….<schluck> Wir waren von Jave schon vorgewarnt worden, dass hier normalerweise keine Frauen anzutreffen waren, trotzdem waren wir nicht minder eingeschüchtert als wir hereinkamen und die Foltergeräte erblickten. Himmel… Es trainierten schon ein paar Burschen. Wie die wohl reagieren würden, wenn wir mitmachten? Aber sie waren dann doch viel zu fixiert auf ihren Muskelaufbau, dass sie keine augenmerkliche Notiz von uns nahmen. Ratlos standen wir noch ein paar Sekunden herum. Dann drehte sich Jave zu uns um und begann mit einer ausschweifenden Bewegung auf die Geräte um uns herum mit seiner Einführung in die Welt des Fitnessstudios und all seinen Geheimnissen. „Was wollt ihr denn trainieren?“, fragte er uns. „Alles!“ war die Antwort und schon ging es los. Eine Stunde lang präsentierte unser personal trainer uns verschiedene Hilfsmittel, die es Menschen ermöglichen, die gewünschte Körperpartie umzuformen, und das ganz ohne Chirurg. Wir mussten dann immer schon alles einmal ausprobieren, damit er uns Tipps geben konnte, was wir noch verbessern konnten oder einfach um uns zu loben („Beautiful!“). Wenn wir etwas nicht konnten (z.B. versuchten wir uns an einem Gerät, von dem Jave meinte, dass es nur für Männer sei, es trainierte die Unterarme, und wir konnten es leider überhaupt nicht) hörte man manchmal auch einfach nur ein entsetztes „Jesus!“.  Na, da hatten wir ja was zu tun.

Wir blieben noch zwei Stunden und bauten Muskelkater an allen möglichen Körperteilen auf. Ein Ranking der drei schlimmsten Übungen lautet wie folgt:

1.)    Mit zwei jeweils 2kg Hanteln in der Hand die Arme seitlich zum Körper anheben. (Immer an das Set mit den drei Mal 15 Durchgängen halten!)

2.)    Hochstemmen eines Dings (Wir haben noch nicht mal Gewichte drangemacht und es war trotzdem sauschwer!!!!!)

3.)    Sit-ups auf einer schiefen Ebene (Man will sterben…)

Ja, das mit den Gewichten war so ne Sache. Die Männer haben sich immer ordentlich was draufgepackt, wohingegen wir meistens ein bis zwei oder halt keine dran gemacht haben, es war auch so anstrengend genug. Unter Ächzen und Stöhnen stemmten Muskelpakete von Typen ihre Megahanteln hoch. Wir sahen ihre schweißnassen, roten und sehnigen Gesichter. Puh, schien schwer zu sein…Naja, wir kamen teils auch ins Schwitzen, jedoch machten wir immer brav die 40 bis 60 Sekunden Pause nach jedem Satz. Wir wollen uns ja nicht überanstrengen!

Um den Sporttag abzurunden, joggten wir noch die 500m nach Hause, duschten und lungerten dann im Bett herum, kochten Reis mit Bananensoße, bis es schließlich hieß sich für die Party am Abend fertig zu machen. Wir wollten nämlich ins Loft gehen, wo Benjamin und Esteban heute wie schon in den vergangenen fünf Monaten auflegen würden. Um 22.45 Uhr wurden wir vom privaten Chauffeur abgeholt und direkt hingefahren. Wir kamen rein – und es war leer. Ach nee, wie toll. Tja, so allein tanzen macht irgendwie nicht so großen Spaß, sodass wir einfach nur warten konnten. Als dann mal so gegen 0.00 Uhr die ersten Partygäste eintrudelten, hatten wir auch schon unseren ersten Drink spendiert bekommen – DJs trinken umsonst. So langsam füllte sich der Schuppen und die Stimmung wurde besser. Juppie! Bis auf einige seltsame Annäherungsversuche hatten wir unseren Spaß, im Zweifelsfall ergriffen wir die Flucht „We have to go to the toilet!“ – und weg. Bis zu dem Moment, in dem ein bescheuerter eiersüchtiger DJ seinen Jägermeister über Benjamins Laptop kippte, war die Party gut gewesen, dann nur noch bedröppelte Gesichter. So ein Riesenmist! Das Macbook ist hin, ihrer DJ-Reise wurde vorerst ein jähes Ende gesetzt. Zu Hause diskutierten wir noch alle darüber, auch Jave und Eunice waren wach. Dann irgendwann in den frühen Morgenstunden gingen wir niedergeschlagen zu Bett.